Unterrichtsgestaltung

Eine fundierte und professionelle Gestaltung des DaZ-Unterrichts fordert von der Lehrperson methodisch-didaktisches Wissen und Können, genaues Hinschauen und Hinhören und zielgerichtete Unterrichtsplanung. Auch hier wächst die Kompetenz der Lehrperson mit ihren Erfahrungen und der Weiterentwicklung ihres allgemeinen pädagogischen Wissens und ihres spezifischen Fachwissens im Bereich Deutsch als Zweitsprache, insbesondere durch regelmäßige Beobachtung, Reflexion und Weiterbildung.

Aspekte von DaZ-Unterricht beobachten und reflektieren

Alle Lehrpersonen entwickeln und erweitern laufend ihre Reflexionskompetenzen – individuell und/oder im Team – in Bereichen, die für das Schulgeschehen insgesamt und jeden Unterricht gelten, wie z.B. Methodeneinsatz, Diagnosekompetenz, Unterrichtsplanung, Gesprächsführung oder Einsatz von digitalen Medien. Darüber hinaus legt die DaZ-Lehrperson den Fokus in Hinblick auf ihre spezifische Aufgabe, mehrsprachige Lernende in ihrer Deutschentwicklung zu begleiten, auf konkrete Aspekte ihres Fachs, wie z.B. Sprachbewusstheit, Sprachverwendung, Sprachvermittlung und Diversitätskompetenz.

Das Verfassen von Reflexionen über Unterrichtssituationen wird im Selbstlernkurs „Sprachbewusst Schreiben im Studium“ (u.a. PH Vorarlberg) thematisiert. Dabei sollen Beobachtungen vor dem Hintergrund pädagogisch-didaktischer Konzepte reflektiert werden.

Unterrichts- und Förderplanung flexibel gestalten

Die Lehrperson legt die Planung der DaZ-Förderung adaptiv an, kann sie also bei Bedarf den Rahmenbedingungen und der sprachlichen Entwicklung der Schülerinnen und Schüler anpassen. Mittelfristige Unterrichtsplanungen sowie individuelle Förderpläne werden dabei als Reflexionstools eingesetzt. Die Reflexion der Unterrichtsplanung und der Förderplanung zielt auf die Auseinandersetzung mit den Fragen, inwiefern die Planung umgesetzt werden konnte, welche Lernziele die Schülerinnen und Schüler erreichen bzw. nicht erreichen konnten und ob bzw. wie Abweichungen und Änderungen pädagogisch/didaktisch begründet werden. Die Ergebnisse der Sprachstandsbeobachtung fließen in eine Reflexion und Analyse der Förderplanung immer mit ein. Daneben hat insbesondere in der Phase der Berufsvorbereitung und des Berufseinstiegs die Reflexion von kurzfristigen Unterrichtsplanungen (Stunden-, Tages- und Wochenplanung) einen großen Stellenwert, damit sich (angehende) DaZ-Lehrpersonen mit den spezifischen Rahmenbedingungen und Herausforderungen des DaZ-Unterrichts auseinandersetzen können.

Methodisch-didaktische Grundsätze des DaZ-Unterrichts berücksichtigen

Methodisch-didaktische Konzepte bzw. relevante Prinzipien des DaZ-Unterrichts haben sich aus der Deutschdidaktik sowie insbesondere aus der Didaktik von Deutsch als Fremdsprache heraus entwickelt. Sie berücksichtigen das konkrete Ziel des Erwerbs von Deutsch als eine Zweitsprache: die Anwendbarkeit des erworbenen Wissens und Könnens in kommunikativen Situationen in Alltag und Schule. Dabei spielen Methodenkonzeptionen des (Fremd-)Sprachenunterrichts eine wichtige Rolle. Diese haben in der langen Geschichte der sprachendidaktischen Diskussion den Sprachenunterricht durch unterschiedliche Zugänge geprägt, von der Grammatik-Übersetzungsmethode über die audiovisuelle Methode hin zum kommunikativ-pragmatischen Ansatz. Letzterer entspricht insbesondere den Anforderungen des DaZ-Unterrichts, wo das Sprechhandeln das wichtigste Ziel des Lernens darstellt (Knapp & Oomen-Welke, 2017).

Heute spricht man vielmehr von methodisch-didaktischen Grundsätzen/Prinzipien, die den Lehrpersonen in Form von Leitlinien eine Orientierung in der Planung und Durchführung ihres DaZ-Unterrichts geben. Sie sind in den meisten Fällen nicht „neu“, so war z.B. Handlungsorientierung spätestens seit der kommunikativen Wende in den 70er-Jahren Teil des DaF- und DaZ-Unterrichts, wo die Lernenden dazu befähigt werden, in authentischen Kommunikationssituationen sprachlich zu handeln (Ende, Grotjahn, Kleppin & Mohr, 2013). Viele der methodisch-didaktischen Grundsätze des DaZ-Unterrichts sind gleichzeitig Prinzipien von jedem (Fremd-)Sprachenunterricht sowie Grundlage einer durchgängigen Sprachbildung – Lehrpersonen aller Fächer berücksichtigen sie im Rahmen eines sprachbewussten Fachunterrichts.

Methodisch-didaktische Grundsätze für den DaZ-Unterricht (u.a. Harr, Liedke & Riehl, 2018, Knapp & Oomen-Welke, 2017, Ende, Grotjahn, Kleppin & Mohr, 2013):

Das Flipped-Learning-Angebot „Flexible Differenzierung“ des Zentrums Lernen•Lehren (PH Niederösterreich) bietet Lehr- und Lernvideos und ergänzende Materialien zur „Philosophie“ des Differenzierens.

Methoden kennenlernen und hinterfragen

Eine große Methodenvielfalt und -varianz vermittelt verschiedene Lernwege, steigert die Motivation der Lernenden und sichert nicht zuletzt einen abwechslungsreichen und schüler/innengerechten DaZ-Unterricht. Je älter die Schülerinnen und Schüler sind, umso bedeutsamer sind Methoden, die sie zum selbstständigen Arbeiten und Sprach(en)lernen anregen. Die Entscheidung, welche Methode wann und wie eingesetzt wird, ist von vielfältigen Faktoren abhängig, da der DaZ-Unterricht zumeist in sehr heterogenen Settings stattfindet – Rezepte oder klare methodische Entscheidungsgrundlagen gibt es dafür nicht. Dies stellt hohe Anforderungen an die Lehrkräfte (Jeuk, 2018). Eine intensive Auseinandersetzung mit der Methodenvielfalt ist ein erster wichtiger Schritt, der immer mit der Reflexion der einzelnen Methoden einhergeht. Die (DaZ-)Lehrperson eignet sich mit steigender Erfahrung und regelmäßiger Selbst- und Unterrichtsreflexion ein umfassendes Methodenrepertoire an.

Die Methoden für den DaZ-Unterricht stammen sowohl aus der Fremdsprachendidaktik als auch der Deutschdidaktik und sind nicht zu trennen von Methoden der Sprachförderung und -bildung im Allgemeinen, wie auch die Sprachförderung und -bildung im DaZ-Unterricht nicht von der im Regelunterricht abgekoppelt stattfindet. Der kooperative Einsatz von Methoden der Sprachförderung in jedem Unterricht, z. B. zur Textentlastung oder durch Scaffolds bei der Produktion von Texten, ist grundlegend für eine umfassende Sprachförderung (Gutzmann, Nodari & Pols, 2019).

Literatur

Harr, A.-K., Liedke, M. & Riehl C. M. (2018). Deutsch als Zweitsprache: Migration – Spracherwerb – Unterricht. J. B. Metzler.

Decker-Ernst, Y. & Oomen-Welke, I. (2017): Methoden für Deutsch als Zweitsprache. In B. Ahrenholz & I. Oomen-Welke (Hrsg.), Deutsch als Zweitsprache (DTP, Bd. 9, S. 440–460) (4., vollst. überarb. u. erw. Aufl.). Schneider.

Gutzmann, M., Nodari, C. & Pols, R. (2019). Deutsch als Zweitsprache. Didaktisches Begleitmaterial zu den Curricularen Grundlagen. Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (Hrsg.). https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/themen/sprachbildung/Durchgaengige_Sprachbildung/Publikationen_sprachbildung/Deutsch_als_Zweitsprache_WEB_2019_05_06.pdf

Ende, K., Grotjahn, R., Kleppin, K. & Mohr, I. (2013). Curriculare Vorgaben und Unterrichtsplanung (Deutsch Lehren Lernen, Bd. 6). Stuttgart: Klett.

Jeuk, S. (2018). Deutsch als Zweitsprache in der Schule. Grundlagen – Diagnose – Förderung (4. Aufl.). Kohlhammer.

Knapp, W. & Oomen-Welke, I. (2017). Didaktische Konzepte für Deutsch als Zweitsprache. In B. Ahrenholz & I. Oomen-Welke (Hrsg.), Deutsch als Zweitsprache (DTP, Bd. 9, S. 179–196) (4., vollst. überarb. u. erw. Aufl.). Schneider.

Oomen-Welke, I. (2015). Zwei- und Mehrsprachigkeit: Lernwege und Potenziale. In Z. Kalkavan-Aydın (Hrsg.), Deutsch als Zweitsprache – Didaktik für die Grundschule (S. 67–78). Cornelsen.