Fertigkeiten

Unter den Fertigkeiten verstehen wir in der Sprachbeherrschung folgende vier Bereiche:

Sie ermöglichen mündliche und schriftliche Kommunikation mit unterschiedlichen Zielsetzungen: zur Bewältigung kommunikativer Situationen (Pragmatik) bzw. zur Nutzung mündlicher und schriftlicher Texte zum Lernen (Textkompetenz). Sie können zum einen als mündliche und schriftliche Fertigkeiten zusammengefasst werden, zum anderen als produktive und rezeptive Fertigkeiten (Faistauer, 2011):

Abbildung 5: Vier Fertigkeiten im Überblick

Die Lehrperson vermittelt und behandelt die vier Fertigkeiten im DaZ-Unterricht gemeinsam und miteinander vernetzt.

Rezeptive Fertigkeiten 

Die rezeptiven Fertigkeiten Hören und Lesen gehen den produktiven Fertigkeiten Sprechen und Schreiben voraus und stehen in einer positiven Wechselwirkung zueinander: Verbessert sich das Hörverstehen/das Hör-/Sehverstehen, steigert sich auch das Leseverstehen und umgekehrt. Bei beiden ist es für die Lehrperson schwer, die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler umfassend einschätzen und feststellen zu können. Sie sind nicht direkt messbar, sondern können hauptsächlich über die produktiven Fertigkeiten, also Sprechen oder Schreiben über das Gehörte bzw. Gelesene, erfasst werden. Trotzdem oder gerade deshalb ist es wichtig, dass die Lehrperson das Hör- wie auch das Leseverstehen als eigenständige Bereiche des DaZ-Unterrichts aufgreift und gezielt trainiert. Mündliche und schriftliche Begegnungen mit (literarischen) Texten erleichtern den Schülerinnen und Schülern nicht zuletzt den Zugang zum Verfassen von Texten. 

Produktive Fertigkeiten

Zentrale Sprachhandlungen im DaZ-Anfangsunterricht sind sowohl mündlich beim Sprechen als auch schriftlich beim Schreiben das Beschreiben, Berichten und Erzählen. Die Lehrperson leitet die Erarbeitung dieser Sprachhandlungen anhand von vertrauten Themen aus der schulischen und außerschulischen Lebenswelt der Lernenden und mit Hilfe von Scaffolds an. Für eine zielgerichtete Förderung der produktiven Fertigkeiten weiß die Lehrperson, auf welcher sprachlichen Erwerbsstufe sich die Schülerinnen und Schüler befinden.

Insbesondere die deduktive Förderung der produktiven Fertigkeiten motiviert die Schülerinnen und Schüler, da sie sehr schnell eigenständig sprechen/schreiben können: Die Schülerinnen und Schüler erhalten einen mündlichen/schriftlichen Mustertext, mit dessen Hilfe sie ihren eigenen Text produzieren. Sie können die Textstruktur übernehmen bzw. Textbausteine variieren und so die Sprachhandlung und ihre Eigenheiten kennen lernen (Gutzmann et al., 2019).

Literatur

Faistauer, R. (2011). Die sprachlichen Fertigkeiten. In H.-J. Krumm, C. Fandrych, B. Hufeisen & C. Riemer (Hrsg.), Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Ein internationales Handbuch (2 Bände) (S. 960–968), De Gruyter.

Gutzmann, M., Nodari, C. & Pols, R. (2019). Deutsch als Zweitsprache. Didaktisches Begleitmaterial zu den Curricularen Grundlagen. Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (Hrsg.). https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/themen/sprachbildung/Durchgaengige_Sprachbildung/Publikationen_sprachbildung/Deutsch_als_Zweitsprache_WEB_2019_05_06.pdf